Story des Monats

Mai - Juni 2015


Kapitel 31 einer (möglichst) langen Serie .....
Axel Melhardt
Axel Melhardt plaudert:

Wer glaubt, daß es nur zu Weihnachten riesige Überraschungen gibt, der irrt. Auch die Tage um Ostern herum sind für solche anscheinend ein guter Zeitpunkt – knapp nach dem Osterhasen kam also ein E-Mail vom ehemaligen (Magnolia Jazzband u.v.a.) und derzeitigen (Riverside Stompers) Pianisten ROLAND ROGER mit einem Foto aus dem Jahre 1965 (natürlich in Schwarz/Weiss, denn die Farbfotografie war damals wohl sicherlich noch nicht erfunden worden), auf dem man neben dem Tubisten der obenerwähnten klassischen King-Oliver-Band ULRICH SOLDAT und dem schon beim King oben angekommenen Banjoisten THOMAS JAKSCH auch den Schreiber dieser Zeilen fast noch schöner weil noch jünger als heute und daher schwarzbärtig erkennen kann – das animierte mich zu einigen nostalgieträchtigen Zeilen über eine verblichene Institution im Allgemeinen aber besonders über den herrlichen
 
Jazzbandball
beim Wimberger
(1972 - 2010)
 
Gschnas im Grünen Tor 1965 Werner Christen
Gschnas im "Grünen Tor" am 19.2.1965
(Foto Roland Roger)
Werner Christen
 

Der nahm übrigens nicht im altbekannten Hotel am Gürtel beim Westbahnhof seinen Ausgang sondern schon einige Jahre früher in einem Lokal auf der Lerchenfelderstraße, in dem heute eine "Hofer-Filiale" zu finden ist – da muß es natürlich auch ein dazu gehöriges Restaurant gegeben haben, aber all diese Details sind hinter dem gnädigen Schleier der Jahre und im damals zumindest bei mir gebräuchlichen allgemeinen Dunst aus Camel ohne Filter und Krügel mit Inhalt verschwunden.

Einen weiteren Ball in den 60-ern gab es im heutigen "Reigen" (wohin man später zwar nicht reuig aber doch zumindest kurzfristig zurückkehrte), aber auch an den kann ich mich nicht allzu deutlich erinnern – der heutige Leiter des Etablissements Wolfgang Windbacher war damals zwar ziemlich sicher schon auf der Welt – aber nicht präsent....

Der erste lokals- und datumsmäßig gesicherte Jazzbandball beim (damaligen) "Wimberger" fand am 15.2.1972 (Faschingsdienstag) unter dem Motto "Jazz at the Kill-Harmonic" statt – veranstaltet vom "Wirklichen Jassclub" unter der Leitung von Werner Christen. Ab 1973 folgten dann samstägliche Bälle im Jahresrhythmus, dann folgten die ganz "fetten Jahre", denn von 1976 bis 1985 ereigneten sich sogar zwei (fast immer exzellent besuchte) Bälle pro Jahr. Von 1986 schaltete man auf Einen-Ball-pro-Jahr zurück (davon 1993 und 1994 im Ausweichquartier "Der Reigen"), bis schließlich unter allgemeiner Trauer der allmählich schwindenden Stammgäste der letzte und 51. Jazzband-Ball unter dem Motto "Sax & the City" im Jahr 2010 zelebriert wurde.

Eine Große Tradition war zu Ende gegangen.... – und bis heute werde ich immer wieder darauf angesprochen, warum es denn keine "Jazzbandbälle" mehr gäbe und ich muß darauf antworten, daß wir alle anscheinend zu alt geworden sind, um noch beschwingt das Tanzbein zu schwingen.

So ein Ball "rechnet" sich mit ab zirka 500 Besuchern (schätze ich, denn ich war – außer in "Grauen Vorzeiten" niemals der Veranstalter sondern nur der "Pausentrottel") und in den letzten Jahren war die Besucherzahl grausam unter diese Grenze gesunken – die Saal-Miete, die unbedingt notwendige Reklame und die betriebswirtschaftlich unabdingbar wesentlichen Getränke für die Musiker gehen ganz schön ins Geld. Und der langjährige Organisator WERNER CHRISTEN (dem hier jetzt eigentlich ein spontan einsetzender Applaus gewidmet werden müßte) wird überraschenderweise auch nicht jünger....

Bleibt uns als kleiner Trost, daß wir so gut wie alle Bands, die man beim "Wimberger" hören konnte, jetzt im JAZZLAND genießen kann – allerdings aus platztechnischen Gründen natürlich nur tanzfrei. An vielen Sonntagen (verteilt über fast das ganze Jahr) hört man wirklich exzellenten Jazz weiterhin beim "Wimberger" – das jetzt Arcotel Wimberger heißt: die dort schon zur Tradition gewordenen Jazz-Brunches bieten neben der herrlichen Musik auch eine absolut gleichwertige Küche – das Buffet spielt (wie man auf gut Wienerisch sagt) alle Stückerln und wäre alleine schon wirklich jeden €uro wert, den der Eintritt kostet. Die betreffenden Daten und Termine¹) findet man regelmäßig auf dieser Homepage und natürlich auch auf der Seite des Hotels selbst.

¹) Jazzbrunch Wimberger


© Axel Melhardt
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