Story des Monats

Mai - Juni 2006

AXEL ZWINGENBERGER

Axel Zwingenberger Axel Zwingenberger Axel Zwingenberger
2005 ... ... früher ... ... noch früher

In den ersten Tagen, als das JAZZLAND noch viel weniger besucht war als heute (wo es auch manchmal ziemlich schlimm ist), da versuchten wir mit allen möglichen Zusatzattraktionen, die Jazzfans in unseren Keller zu locken. Unter anderem veranstalteten wir auch Stummfilmabende (zusammen mit dem heutzutage bekannt und populär gewordenen Filmemacher WALTER BANNERT), an denen die übliche Mischung von Groteskfilmen von Laurel & Hardy und Charlie Chaplin bis hin zu Experimentalstreifen gezeigt wurde.

Eines Tages kam ein blutjunger, schüchterner Mensch zu mir und fragte, ob er nicht hinter der Leinwand ein wenig am Piano klimpern dürfe.

"Natürlich", kam meine Antwort, denn ich zog jede "Live"-Musik der allerschönsten Konserve vor. Nach seinen ersten Chorussen waren die Filme uninteressant. Was wir hinter der Leinwand hervorhörten, war so sensationell, daß jede filmische Handlung vergessen war:

Boogie Woogie und Blues in einer nie gehörten Klasse erklang auf unserem alten Piano, und ein neuer Star war geboren.

Natürlich fragte ich den Burschen nach seinem Namen, den "AXEL" verstand ich ganz gut, bei "ZWINGENBERGER" mußte ich zweimal nachfragen, was mir bis heute nicht mehr passiert ist.

So wurden wir auf AXEL aufmerksam. In der Zeit nach diesem Auftritt hinter der Leinwand kam er immer wieder ins 'landl, zuerst mit seinen Weggefährten, dem unvergessenen, so hochtalentierten GEORG MÖLLER, der tragisch aus dem Leben ging, und VINCE WEBER, der mit seiner phantastischen Stimme, die so schwarz klingt, auch in breitere Publikumskreise vorstieß.

Und dann kam er aber auch immer wieder alleine. Sogar zu Zeiten, wo er in der BRD große Konzertsäle füllte, in den USA zu den anerkannten Boogie-Pianisten gehörte und in Wien auch große Hallen wie den BÖSENDORFER-Saal auf Tage hinweg mit einem "Ausverkauft" -Schild verzierte. Immer wieder trat er im 'landl auf, nahm die für ihn kleine und für uns große Gage ohne zu murren und brachte uns immer wieder Giganten des Blues in den Keller.

Der Auftritt mit SIPPIE WALLACE klappte nicht, denn ihre Gesundheit ließ sie ausgerechnet zwei Tage vor dem JAZZLAND-Gig endgültig im Stich, aber einen JAY McShann konnten wir wiedersehen. Er spielte mit CHAMPION JACK DUPREE bei uns und nahm eine ganze Reihe von "live"-LPs vor unserem phantastischen Publikum auf.

Es gibt so manche Musiker, die sich auf unsere Treue verlassen können.

Es ist schön, zu wissen, daß es auch Musiker gibt, die zu "ihrem" Stammlokal halten - auch wenn sie groß und berühmt geworden sind.


© Axel Melhardt
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