Story des Monats

März - April 2006

LEO WRIGHT

Ray Brown, Leo Wright Leo Wright, Dizzy Gillespie Hochzeit Elly & Leo Wright
Ray Brown - Leo Wright Leo Wright - Dizzy Gillespie Hochzeit Elly & Leo

Der aus Wichita Falls, Texas stammende Altsaxophonist Leo Wright kam in den 50-er Jahren als Mitglied der Dizzy Gillespie Band, wo er keinen geringeren als Charlie Parker in großartiger Manier "ersetzte", nach Europa und blieb auf dem Alten Kontinent. Er lebte lange in Berlin, wo er eine gewisse Petronella Vasicek kennen und lieben lernte und sie schließlich heiratete.

Da er in den letzten Jahrzehnten seines Lebens fast nur in der Alten Welt musizierte, kennen ihn die jüngeren amerikanischen Musiker nur als geheimnisumwitterte Legende, und es ist für mich immer wieder ein Erlebnis, wenn sie sich darüber wundern, daß ein so großer Mann wie Leo Wright im JAZZLAND fast ein Hausmusiker war.

Nach seinem schweren Schlaganfall in den 80-er Jahren litt er sehr unter der unterschiedlichen Geschwindigkeit seiner Hände - während die eine bald wieder perfekt funktionierte, kam die Reaktion der anderen mit Verspätung. Verbissen trainierte er mit einem Expander und mit einem Hartgummiball, aber erst als er "lernte", die schnelle Hand mit einer antrainierten Verzögerung einzusetzen, konnte er bis in mittleres Tempo wieder perfekt jazzen. Nur auf seine berühmten rasanten Tonkaskaden mußte er verzichten.

Im JAZZLAND hängt auch ein legendäres Photo (natürlich von Peter Brunner), auf dem Leo sein berühmtes Lachen - es klingt auch heute noch hell und grell in meinen Ohren - zeigt. Ray Brown erzählte ihm damals folgenden Witz:

Ein Agent kommt zu einem Jazzclub-Manager und bietet eine tolle Band an:
"Am Piano haben wir den Oscar...."
Der Manager ganz aufgeregt: "Was, den OSCAR PETERSON?"
"Nein, den Oscar Semmelweiß - er spielt schon fast drei Monate. Am Baß haben wir den Ray......."
"Was, den RAY BROWN?"
"Nein, den Ray Fischer. Der spielt schon fast ein Vierteljahr und hat drei der vier Saiten schon fast perfekt im Griff! Am Schlagzeug bringe ich Ihnen den Shelly......."
Was, den SHELLY MANNE?"
"Nein, den Shelly Kubrik - der spielt schon über neunzig Tage und stellt seinen Set fast immer richtig auf. Am Altsaxophon haben wir Leo......"
"Was, den LEO WRIGHT?"
"Ja, den Leo Wright!"

Leo wartete mit unerschütterlicher Geduld auf eine Herztransplantation - seine Frau und seine besten Freunde wußten allerdings, daß er vergeblich wartete, denn die Ärzte hatten (verständlicherweise) beschlossen, kein Herz an Ihn zu "verschwenden", denn er hatte nur minimalste Überlebenschancen nach der Operation - zu sehr war seine Krankheit schon fortgeschritten.

Leopold Mayer beobachtete am 4.1.1991 in der U-Bahnstation Josefstädterstraße eine Gruppe Sanitäter, die einen offenbar zusammengebrochenen Patienten vorbeitrugen.

Es war Leo.


© Axel Melhardt
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