Story des Monats

November - Dezember 2014


Kapitel 28 einer (möglichst) langen Serie .....
Axel Melhardt
Axel Melhardt plaudert:

 
Die Blues Brothers
 
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"Blues Brothers" im Film: John Belushi als Sänger, Dan Aykroyd als Mundharmonikaspieler Cab Calloway als "Hausmeister"... ...und 'Minnie the Moocher' (HiDiHiDiHoooo) singend -
Video davon auf YouTube
 

Es ereignete sich an einem an und für sich unschuldigen Wochentag im Jahre 1980 (nach Chr. – dies sei hinzugefügt).

Ein ebenso arroganter wie musikalisch hochwertiger Weltstar war die Ursache. Er sekkierte mich bei seinem ersten (und letzten) Auftritt im JAZZLAND so gründlich, daß ich wutentbrannt den Keller verließ, um irgendwo abzudampfen – das "Irgendwo" war das Kino-Center um die Ecke und da mir als Nicht- oder zumindest Kaum-Mehr-Kino-Geher keiner der Schauspieler bekannt war, suchte ich nach einem bekannten Wort in den Film-Titeln und ich fand "Blues-Brothers" und da der erste Teil des Titels bei mir klingelte ging ich hinein....

Während des Vorspanns lief Musik – mein von Bessie Smith und Robert Johnson indoktriniertes Gehör erkannte sie nicht sofort – sie begeisterte mich einigermaßen, aber ich konnte sie nicht zuordnen.

Noch immer mäßig interessiert las ich die Namen der Protagonisten - James Belushi und Dan Aykroyd waren für mich unbeschriebene Blätter und ich stellte fest, daß ein gewisser Cab Calloway auf dem Programm stand und wunderte mich, daß es einen Schauspieler gab, der den gleichen Namen hatte wie der legendäre Jazzsänger, den ich beim Jazz-Festival in Nizza kennenlernen durfte....

Aber schon die ersten Szenen faszinierten mich.

Ich nehme an, alle kennen die Handlung: die beiden Bluesbrüder wollen ihr zu Hause – ein Waisenhaus – vor dem Untergang retten und sind bereit, dafür sozusagen alle Mittel einzusetzen – Pistolen, Musik, schöne Frauen, Granaten.... Es kommt zu einem Konzert, in dem die beiden den Cash für das Waisenhaus sammeln wollen, Polizisten, Nazis und sogar Country-Western-Sänger versuchen mit allen Mittel den Auftritt von John Belushi und Dan Ackroyd zu verhindern und der verzweifelte alte Lehrer der Waisenschule versucht mit allen Mitteln das zahlreiche, zahlende Publikum im Konzertsaal zu halten, während die Brothers versuchen zahlreiche Hindernisse zu überwinden.

Der absolut kategorische Fanatismus, mit dem dieser Belushi den Blues predigte ... – was war schon ein nagelneuer Cadillac im Vergleich zu einem brauchbaren Mikrophon....

Und als ich dann auch noch in dem alten und schon ziemlich abgehalfterten Hausmeister des Waisenhaus DEN Cab Calloway erkannte, war es um mich endgültig geschehen.....

Wahrscheinlich gab es in den vielen Jahrzehnten meines Filmerlebnis-Lebens keinen zweiten Streifen, der mich derart faszinierte und als Cab Calloway dann vor den "Grande Finale" sein legendäres "HiDiHiDiHoooo....." anstimmte, und er nach seiner berühmten Pirouette statt im Straßenanzug wie durch Zauberei im Frack dastand, da heulte ich....

Das war vor über 30 Jahren und seitdem habe ich die Blues-Brothers zirka achtundachtzigmal besucht (auf deutsch und auf englisch, wobei die synchronisierte Fassung dem Original um – fast – nichts nachsteht) und die Begeisterung ist unverändert geblieben. Wenn man bedenkt, daß für viele Experten die Songs von John Lee Hooker und Ray Charles (zwei Säulenheilige unserer Musik) die eher schwächeren Musikbeiträge darstellen, dann kann man sich die überragende Qualität des Filmes vorstellen.

PS.: Vielleicht ist es nicht allen aufgefallen – zwei kleine Nebenrollen werden von sehr prominenten Nicht-Schauspielern verkörpert – der Erfinder und Gestalter der Muppet-Show Franz Oz ist als Gefängniswärter und Regisseur Steven Spielberg als Finanzbeamter zu bewundern....

PPS.: Videos gibt es auf Youtube, z.B.:

PPPS.: Mehr über Cab Calloway gibt es auch in unserer Story des Monats vom November - Dezember 2009


© Axel Melhardt
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