Story des Monats

Oktober 2003

ROY ELDRIDGE

Roy Eldridge


Es waren herrliche Konzerte, wenn in der Stadthalle oder früher im Konzerthaus "JAZZ at the PHILHARMONIC" zu Gast war. In den wenigen dieser Prachtveranstaltungen, die in der Zeit des 'landl noch veranstaltet wurden, versuchte ich natürlich immer wieder, die diversen Freunde und Bekannten, die da auftraten, an den Franz-Josefs-Kai zu lotsen - meist mit großem Erfolg.

Einmal war ich wieder in der Garderobe, und JIMMY FOREST, AL GRAY, KETER BETTS und BOBBY DURHAM freuten sich auf unseren Keller, EDDIE "LOCKJAW" DAVIS, der die ganze Meute anführte, selbstverständlich auch.

Nur ROY ELDRIDGE machte ganz traurige Nasenlöcher: "Der amerikanische Botschafter hat mich eingeladen - jetzt muß ich zu einer faden Galapartv gehen und dort Hummer und Kaviar essen!"

Zur Sicherheit steckte ich ihm eine Visitenkarte zu: "Vielleicht geht es etwas später", hoffte ich. Die Session im 'Iandl war gigantisch.

Da trommelte sich BOBBY DURHAM die Seele aus dem Leib, nur mehr mit einem Unterleiberl bekleidet, da schwang der KETER BETTS am Bass, voller Freude, daß er einmal wieder richtig jazzen konnte, anstatt der großartigen ELLA die Harmonielinien legen zu dürfen, da kochten EDDIE und JIMMY um die Wette und trieben sich in abenteuerlichen Four-Bar-Changes zu immer neuen Höhepunkten, die man fast schon Orgasmen nennen durfte, und AL GRAY wawahte mit seinem Dämpferarsenal als der beste TRICKY-SAM, den man jemals jenseits vom Nanton-River erleben konnte.

Zwischen all diesen schwarzen Giganten des JAZZ saß unser MICHAEL STARCH blaß am Piano und gab alles, was er zu geben hatte - und das war schon damals eine gehörige Menge, denn immer wieder sprachen die Einsteiger von dem jungen Mann am Klavier, der sie auf Anhieb so großartig begleitete.

Die Session brodelte, das JAZZLAND kochte, und die Stimmung ging in so hohen Wogen, wie man es sich nur vorstellen kann.

Aber auch die herrlichsten Stunden gehen vorbei, die Session begann langsam abzubröckeln, noch einige Gäste saßen im Ersten Raum, die Musiker erfrischten sich an der Bar - und plötzlich hörten wir von der Garderobe her die mächtige Trompete von ROY ELDRIDGE, der "The Man I Love" intonierte. Sofort flammte die Session wieder auf und ging dann ungetrübt bis in die Morgenstunden.

Als ich mich dann schlußendlich bei ROY bedankte, daß er doch noch vorbeigekommen war, da lachte er in seiner umwerfenden Art und meinte: "JAWS hat mir gesagt, daß Du heute Geburtstag hast - da mußte ich doch einfach kommen, um für Dich "The Man I Love" zu spielen."

Ich glaube, das war das schönste Geburtstagsgeschenk meines Lebens.


© Axel Melhardt
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