Story des Monats

September-Oktober 2010


Kapitel 5 einer (möglichst) langen Serie .....
Axel Melhardt
Axel Melhardt plaudert über:

In diversen Nachrufen über prominente Persönlichkeiten kann man oft sehr schöne Worte finden - und oft denkt man sich, daß hier "Schönfärberei" betrieben wird, denn so makel- und fehlerlos kann doch eine reale Person eigentlich gar nicht sein. Umso erfreulicher ist es, wenn man aus eigener Erfahrung eine "Schokoladenseite" eines Promis erfahren hat.
 
Jochen Rindt & der Jazz
 
Jochen Rindt 1970 © PeterCoeln
Jochen Rindt, Salzburgring 1970 (© PeterCoeln)

Ereignisse; die mehr als 40 Jahre zurückliegen, verschwimmen allmählich in der Erinnerung.

Ich weiß daher nicht mehr, wie das Engagement bei Jochen Rindt zustande gekommen ist - jedenfalls wurden die RED HOT PODS, die in den späten 60-er Jahren trotz meines Managements kleine aber stetige Erfolge erfuhren, als musikalischer Leckerbissen zum Geburtstag des damals aufstrebenden Formel-1 - Stars auf eine malerische Burg ins mittlere Burgenland eingeladen.

Man jazzte im Burghof, ungefähr 300 Festgäste plauderten und manche hörten auch dem klassischen Jazz aufmerksam zu (was nicht immer und überall selbstverständlich ist). Nach etwa einer Stunde unterbrach Jochen höchstpersönlich das Konzert zwischen zwei Nummern und meinte, die Band solle doch jetzt endlich eine Pause machen und sich in den nächsten Hof zum Buffet bewegen.

Die Band - wenn ich mich recht erinnere waren das die Herren Kurt Lustig co, Harry Jirsa tb, Claus Nemeth cl, Lothar Reichhold p, Erwin Frassine bjo, Michael Libowitzky b und Heinrich Wrbka dm - stürzte sich auf die Köstlichkeiten - nur ich hatte ein Problem: Ich kann absolut nichts essen, was mich an das komplette Tier erinnert. Ein faschiertes Laberl, ein Schnitzerl - kein Problem. Aber in diesem gesagten Hof drehten sich zwei Ochsen am Spieß und einige Spanferkerln brutzelten vor sich hin.

Das war für mich natürlich das Ende.

Resigniert setzte ich mich in ein verstecktes Eckerl und machte mich mit dem Gedanken vertraut, einen hungrigen Abend zu verbringen - nicht so schlimm, denn ich hatte ohnehin das eine oder andere Kilo billig abzugeben.

Plötzlich kam der Gastgeber auf mich zu: "Warum essen Sie denn nicht?" wollte Jochen Rindt freundlich wissen.

"Ich bin Vegetarier", stotterte ich verlegen, weil mir der wahre Grund zu dumm erschien.

Wortlos drehte sich Jochen Rindt um und verschwand zwischen seinen Gästen.

Kaum 30 Minuten später fuhr ein Lieferwagen auf den Burghof - er hatte aus dem nächsten Hotel extra für den angeblichen Vegetarier eine riesige Käseplatte (so für zirka sechseinhalb Personen) bestellt, die wirklich "alle Stückeln" spielte.

Daß ich dann auf der Heimfahrt nach Wien im Gagenkuvert eine beträchtliche Bonuszahlung vorfand, rundet nur das tolle Bild von Jochen Rindt ab, das wir bei diesem Fest gewonnen hatten.

Anmerkung: Anlässlich des 40. Todestages von Jochen Rindt zeigte WestLicht vom 03. - 26.09.2010 eine Fotoausstellung.


© Axel Melhardt
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