Story des Monats

September - Oktober 2009


Kapitel 3 einer (möglichst) langen Serie .....
Axel Melhardt
Axel Melhardt plaudert über:

Jazzfest Wien 2009

Dan Levinson Dusko Goykovich
Dan Levinson cl Dusko Goykovich tp

"Diesmal hat das JazzFestWien aber ganz besonders gute Musiker für das JAZZLAND ausgesucht", stellte ein gut meinender Besucher unseres Keller gestern (am 10.7.09) fest, als er Dan Levinson bewunderte. "Der Klarinettist und seine Band sind ganz ausgezeichnet - und über Dusko Goykovich mit Herwig Gradischnig und dem Fritz Pauer Trio braucht man keine Worte verlieren - auch ganz großartig, immens!" lobte der Gast.

So sehr uns das Lob freut - es ist nicht ganz zutreffend, denn die Tage im JAZZLAND finden zwar im Rahmen des JazzFest statt - die Gestaltung des Programms lag und liegt wie immer alleine in der Hand der üblichen Verdächtigen im 'landl.

So wie auch die finanziellen Aufwendungen - der kleine "Anerkennungszuschuß", der alljährlich vom Festival in unsere Richtung fließt, wird ausschließlich dazu verwendet, die heimischen Musiker, die ja beim gesamten Festival nicht allzu liebevoll bedacht werden, mit kleinen außergewöhnlichen Zuwendungen etwas fröhlicher zu stimmen.

Den Dusko konnten wir mit der Klasse von Herwig, Fritz, Johannes Strasser und Joris Dudli nicht so richtig überraschen - teilweise kannte er sie schon, teilweise war er durch ihren grandiosen Ruf "vorgewarnt".

Für Dan Levinson hingegen waren die drei Wiener Konzerte eine Erfahrung der besonderen Art.

Wie immer gönnte ich mir die besondere Freude das Mienenspiel eines "frisch g'fangten" Gastes zu beobachten, wenn er das erste Mal mit unseren heimischen Granaten konfrontiert wird - da kommt zuerst Verblüffung, dann ungläubiges Staunen und schließlich ein breites zufriedenes Grinsen zum tragen sobald er so richtig mitbekommt, in welchen swingenden Sphären sich die hiesige Szene bewegt.

"Wenn ich so ein Trio in New York finden will", erzählte er ohne von mir dazu gezwungen zu werden dem begeisterten Publikum, "muß ich lange suchen - wenn ich überhaupt damit Erfolg habe . . ."

In der Pausenplauderei erwähnte er dann leichtsinnig, daß er gehört habe, in Wien gäbe es auch einen Pianisten der ziemlich gut auf der Klarinette sein soll - da packte dann der Herbert Swoboda (widerstrebend wie immer) sein gar nicht so "picksüßes Hölzl" aus, und die beiden legten ein "Oh Baby" hin, daß sämtlichen Babies zwischen Scheibbs und Palermo die Ohren rauschten.

Ebenso begeistert zeigte er sich über Bassist Martin Treml, der "nicht seine schnelle Finger und sich selbst, sondern die Harmonien und den Puls des zu spielenden Songs in den Mittelpunkt stellt" und Drummer Walther Großrubatscher, über dessen Rückkehr in den nur mehr teilweise rauchigen JAZZLAND-Keller das Publikum, die Belegschaft und die (teilweise greise) Club-Leitung begeistert sind.

Sehr erfreulich war es, daß bei diesen Konzerten nach längerer Pause wieder einmal eine beträchtliche Riege heimischer Musiker als Zuhörer vertreten war - die äußer- und innerlich gar nicht so graue Eminenz des Wiener klassischen Jazz Werner Christen hatte in einem e-mail auf die große Klasse des uns bis zu diesen Tagen vollkommen unbekannten bekennenden Benny Goodman-Fan hingewiesen - und als ich dem Gast unseren Alfons Würzl vorstellte, erschauerte Dan fast vor Ehrfurcht, als er erfuhr, daß dieser ihm bis dahin vollkommen unbekannte Klarinettist aus Wien mit dem unvergleichlichen Teddy Wilson auf der JAZZLAND-Bühne musizieren durfte.

Wenn der junge Mann (er feierte in Wien für uns vollkommen überraschend seinen 44.Geburtstag auf der Bühne) erst aus unserem 30-Jahre-Buch erfahren wird, mit wem die Wiener Jazzer sonst noch seit 1972 gejammt haben, wird er sich nicht mehr so sehr über die späte Stunde seiner Geburt freuen - welche Legenden hat er doch mit seinen jungen Jahren versäumt . . .

Nun, manchmal hat es schon seine kleinen Vorteile schon sehr "erwachsen" zu sein . . .


Zufälle in Jazz

#4 (2009)


LKW Mayer & Putz  Karl Farkas, Axel Melhardt, Erich Zott
LKW "Mayer & Putz" Autor Karl Farkas, Axel Melhardt, Erich Zott

In der Story des Monats Nov.-Dez. 2007 erzählte ich über einige echt skurrile Zufälle in Sachen Jazz, die mir im Laufe meines (langen) Lebens widerfahren sind - und vor einigen Tagen - genau am 24.8.2009 - schlug der "König Zufall" wieder einmal mit einem eindrucksvollen Gustostückerl zu - und das will ich Euch auf keinen Fall vorenthalten:

Mit meinem Freund ERICH ZOTT (schon bekannt aus einigen Stories) unternahm ich einen Ausflug in den südlichen Wienerwald und in Leobersdorf besuchten wir eine Gärtnerei.

Während Erich sich über die Vor- und Nachteile eines Rasenmähers informierte klingelte das Handy und meine Tilly berichtete mir vom Handbruch und der daraus resultierenden Absage von HARRY PUTZ für das Wochengastspiel von Scott Hamilton, was ich traurig (weil Harry nicht kommen konnte) und zufrieden (weil mit Johannes Strasser ein großartiger Ersatz bereit stand) zur Kenntnis nahm.

Keine halbe Minute später der nächste Klingler - unser allseits beliebter MARTIN MAYER erinnerte mich an den demnächstigen Besuch seiner Mutter aus Bonn (jetzt wißt Ihr alle, warum der Martin so komisch spricht!!!), ich solle doch bitte ein Hotelzimmer organisieren.

ERICH ZOTT war endlich mit dem Verkäufer handelseins geworden und ich berichtete ihm von den beiden Anrufen: "Der MAYER braucht ein Hotel, und der PUTZ mußte absagen!" faßte ich kurz zusammen.

Wir stiegen wieder in das Auto und Sekunden später deutete Erich ganz aufgeregt auf den Lastwagen vor uns:

"Da steht MAYER - PUTZ!!!!"

Er hatte recht - unübersehbar prangte auf einem Transporter:

MAYER & PUTZ

Immer wieder kopfschüttelnd absolvierten wir einen schönen Spaziergang bei Berndorf, ich brachte den Erich Zott wieder nach Mödling und fuhr nach Hause, um dort wie immer pflichtschuldigst meine e-mails abzurufen.

Zu meiner besonderen Freude schickte mir ein Freund, den ich seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte, einige Bilder aus meiner Science-fiction-Vergangenheit, und zwar von einem Treffen in Passau aus dem Jahre 1969 - ich an einem Rednerpult.

Und neben mir stand damals - ERICH ZOTT.


© Axel Melhardt
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