Story des Monats

Juli - August 2011


Kapitel 9 einer (möglichst) langen Serie .....
Axel Melhardt
Axel Melhardt plaudert:

 
Täter unbekannt
Der erste JAZZLAND-Krimi
 

Über unangenehme Dinge wird oft nicht gesprochen und wahrscheinlich liegt es auch daran, daß ich eigentlich nur verhältnismäßig selten wegen diverser Geruchsbelästigungen in unserem heiß geliebten Keller angesprochen werde.

Jetzt passiert dies etwas häufiger und das liegt sicherlich auch daran, daß die Atmosphäre im JAZZLAND generell anders geworden ist, denn der allgegenwärtige "Duft" aus diversen Tabakverbrennungs-Utensilien hat jahrzehntelang den in unseren Räumen leider nicht auszurottenden Geruch nach Toilette und Kanal überdeckt.

Der JAZZLAND-Keller ist Jahrhunderte alt: wahrscheinlich im 15. Jahrhundert - als Columbus noch nicht als Entdecker Amerikas entdeckt worden war - wurden geheime Ausgänge aus den Katakomben unter die Stadtmauern gegraben und später Häuser darüber errichtet, die schließlich im "Kampf um Wien" zerbombt werden sollten.

Aus dieser Zeit stammt die ebenso unveränderbare wie geruchsintensive Tatsache, daß unsere Toiletten unterhalb der Kanalisation der Stadt Wien liegen und Ihre (ja, auch Ihre) Hinterlassenschaften daher hinauf- und hinausgepumpt werden müssen, und daß es ebenso geheimnisvolle wie unerforschbare Verbindungen zwischen unserem Keller und dem Donaukanal und den dazwischenliegenden Garagen und U-Bahnen, Lagerräumen und Werkstätten gibt.

Am Tage der Großen Hooligan-Krawalle im Juni 2011 herrschte in unserer Bar (genauer gesagt in dem kurzen Durchgang zwischen Bar und Hauptraum) ein olfaktorisches Glanzerzeugnis der besonderen Art - ein stechender, nicht gerade übelkeitserregender aber doch penetranter Geruch und wir eilten sofort in die noch weiter dem Erdmittelpunkt zugewandten Räumlichkeiten der WC-Anlagen, um eine etwaige Ursache zu finden und zu beseitigen. Doch: es roch dort auch nicht gerade himmlisch - aber ganz deutlich "anders".

Ziemlich lange rätselten wir nach der Herkunft dieser nasenbeklemmenden Komposition aber erst als unser Webmaster Günter W. seinen heißgeliebten Schlitten aus der zwischen JAZZLAND und Donaukanal befindlichen Garage holte, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen - oder besser gesagt wie die Wäschekluppe von der Nase:

Hier herrschte dasselbe Odeur wie im 'landl und von unseren Toiletten konnte der Duft eindeutig nicht stammen - der Übeltäter war nach fast vier Jahrzehnten endlich eindeutig überführt und gefaßt.

Der Donaukanal !!!!!

Die Verhaftung scheiterte - der Delinquent war nicht aus dem Bett zu bringen .....

PS.: ..... kürzlich war ich in der Freudenau: Bei der Zufahrt glaubte ich im Jazzland zu sein, denn bei Niederwasser (und das haben wir jetzt im Frühwinter 2011) riechen die Praterauen wie der untere Keller im 'landl. Dies zu unserer "Geruchsplage" ....


© Axel Melhardt
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