Story des Monats

Juli - August 2007


Wie viele Stories in diesem Rahmen, sind auch die folgenden Zeilen (leider) überholt. Art Farmer weilt nicht mehr unter uns, und die Jazz-Szene in Wien hat sich auch weitgehend verändert (ob zum Besseren oder Schlechteren muß jeder für sich beurteilen) - aber die hier aufgezeigten Geschichten sind ja nicht an Aktualitäten gebunden, sondern sollen Glanzlichter (oder Schattenseiten) aus der nun schon 35-jährigen JAZZLAND-Geschichte darstellen.
ART FARMER

Art Farmer Art Farmer, Fritz Pauer, Mario Gonzi, Harry Sokal, Paulo Cardoso Art Farmer
Art Farmer
(ca. 1975)
Art Farmer Quintett (1997)
v.l.n.r.: Fritz Pauer p, Art Farmer flumpet, Mario Gonzi dm, Harry Sokal sax, Paulo Cardoso b
Art Farmer
(ca. 1998/99)

Daß ein echter Weltstar des Jazz in Wien wohnt, ist eigentlich nicht so selbstverständlich. Aber wenn man seine reizende und hochintelligente Gattin MECHTHILDE kennt, die als Leiterin einer großen Bankfiliale allmonatlich dafür sorgt, daß unser Plakat besonders gut plaziert ist, dann versteht man ihn.

ART FARMER kam ursprünglich als Juror eines Jazz-Festivals in unsere Stadt - und blieb hängen. Jahrelang saß er am Solistensessel in der ORF-Bigband von ERICH KLEINSCHUSTER und freute sich jedesmal wahnsinnig darauf, wenn er - anstatt einen der zahlreichen Pop-Barden zu begleiten - im JAZZLAND so richtig losswingen konnte.

Zuerst hatte er ein herrliches Quintett mit CARL DREWO, dann spielte er mit dem FRITZ PAUER TRIO und in den letzten Jahren hat er ein phantastisches Quintett, in dem HARRY SOKAL, FRITZ PAUER, PAULO CARDOSO und MARIO GONZI Fixsterne sind.

Immer, wenn ein US-Star in den letzten Jahren nach Wien kommt, spielt sich ein nun schon ehrwürdig gewordenes Ritual ab: der Gast fragt mich, ob ART FARMER "in town" ist, doch meist muß ich verneinen - der ART ist in Tokio, in New York oder Karatchi, denn seit die ORF-Bigband den Weg aller guten Dinge in unserem Rundfunk gegangen ist, reist er unermüdlich um die Welt, denn überall zählt er zu den ganz großen Namen, die der Jazz heutzutage zu bieten hat. Aber wann immer er es einrichten kann, dann jazzt er bei uns - und ich habe den dringenden Verdacht, daß das JAZZLAND so etwas ähnliches wie seine Heimatbasis oder ein Lieblingsclub ist.

Und das paßt auch zusammen, denn von seiner Ausstrahlung und von seinem Flair her gehört ART FARMER eindeutig nach Wien - er wirkt mit seinem natürlichen Charme und seiner selbstverständlichen Liebenswürdigkeit viel eher wie ein altösterreichischer Edelmann, der bei Hofe ein und aus geht, als wie ein Jazzgigant aus dem fernen und irgendwie exotischen Council Bluffs in lowa, USA.


© Axel Melhardt
Story