Story des Monats

Juli - August 2003

MAX KAMINSKY

Max KaminskyMax Kaminsky, Barrelhouse Jazzband


Der erste große Mann aus dem Kreise der Chicago-Jazz-Musiker, die alle mit dem Namen EDDIE CONDON in Verbindung gebracht werden, kam schon im Jahre 1973 zu uns. Der BARRELHOUSE-Drummer und Bandgründer HORST BICHLER hatte ihn bei einer seiner USA-Tourneen in New York kennengelernt und ihn für uns engagiert: den körperlich ziemlich kleinen und musikalisch doch so großen Kornettisten MAX KAMINSKY.

Natürlich waren wir alle entsprechend nervös, gleichzeitig aber auch selbstbewußt genug, um gleich für dieses erste Zusammentreffen auch eine Plattensession zu konzipieren.

Dieser unbekümmerte Mut zahlt sich übrigens aus - bis heute ist die LP von MAX mit unserer BARRELHOUSE JAZZBAND eine der schönsten Einspielungen im traditionellen Jazz geblieben - sie ist übrigens jetzt auf einer CD wieder erhältlich und da gibt es noch die Titel mit WILD BILL DAVISON sozusagen als Draufgabe dazu.

MAX war überrascht von dem hohen Standard der Wiener Jazzmusiker, von denen er bis dahin nichts gehört hatte. Er arbeitete konzentriert und steckte mit seiner Inspiration natürlich die Bärrelhäusler an, die förmlich über sich hinauswuchsen - und den damals erreichten Standard nie wieder verloren haben.

HORST BICHLER war das kommerzielle Gewissen der Band. Er schlug auch vor, man müsse - um die ohnehin geringen Chancen am heimischen Plattenmarkt und im ORF, der damals noch zögerlich, aber doch, Jazz in seinem Tagesprogramm brachte, einigermaßen zu verbessern - doch auch ein Wiener Lied im Jazz-Jargon einspielen. MAX war zuerst ziemlich unwillig, als ihm BILL GRAH sein Arrangement vom "Fiaker Lied" vorlegte, doch nach zwei kurzen Blicken auf das improvisierte Notenblatt überzog ein fröhliches Grinsen sein Gesicht und er rief aus: "Man, that swings like a Baby", setzte sein Horn an die Lippen und mit zwei takes war dieses alte Lied in einen Jazzstandard mit Ewigkeitswert verwandelt.

Als dann alle Beteiligten nach der letzten Nummer zufrieden beisammen saßen und dem soeben eingespielten lauschten, da kam die goldige HEDI MEERWALD durch die Polstertüre herein und beendete mit einem markanten: "WilIy - wir gehen jetzt!" die innere Feierstunde.

Niemand, der damals im Studio des inzwischen zu einem berühmten Tonmeister gewordenen PETER MÜLLER dabei war, hat bis heute diese unwidersprechliche Aufforderung vergessen: "Willy - wir gehen jetzt" ist zu einem Klassiker der Wiener Jazzszene geworden.


© Axel Melhardt
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