Story des Monats

Juli - August 2001

Teddy Wilson

Teddy Wilson


Eigentlich wollte er nur "solo" spielen und war ziemlich ungehalten, als ich ihm eine Band im ungefähren Zuschnitt des Benny-Goodman-Sextetts zuordnete. Natürlich kannte er seine neuen Kollegen nicht einmal dem Namen nach aber nach wenigen Minuten bei einem kurzen Sound-Check war er von Bill Grah (in der Rolle von Lionel Hampton), Alfons Würzl (als B. G.), Gerd Bienert (als Charlie Christian), Walter Strohmaier (als Artie Bernstein) und Walter Schiefer (als Nick Fatool) begeistert - die beiden Abende im JAZZLAND gehören bis heute zu den (musikalisch und publikumsmäßig) absoluten Höhepunkten in unserem Keller.

Anschließend hatte ich die Ehre mit Teddy eine kurze Tournee nach München, Burghausen und Vöcklabruck zu unternehmen, wo er nun - wie eigentlich gewünscht - wirklich "solo" spielte, und ich erkannte, warum er nicht so recht auf eine Band erpicht war. Der liebe, alte Herr machte es sich nämlich ganz gerne ein wenig leichter. Routiniert und perfekt perlte er seine Solo-Nummern ab - wie von einem Plattenspieler. Note für perfekte Note, Nuance für pointierte Nuance war ident, der Programmablauf exakt der gleiche wie am Vorabend, und der Meister gab immer zwei Zugaben (dieselben), ganz egal, ob das Auditorium eigentlich nach der ersten schon zu toben aufgehört hatte (wie im traurigen Münchner Konzert - aber das ist eine andere Geschichte - nachzulesen im 1. JAZZLAND-Buch) oder (wie an den anderen Spielorten) auch nach der zweiten fast nicht aus dem Saal zu bringen war.

Nie vergessen werde ich auch eine kleine Episode: nach dem Konzert in Vöcklabruck erwischte ich die falsche Autobahnrichtung (der Stalltrieb führte mich nach Wien, aber wir mußten nach München), Teddy hatte sich schon zu einem Nickerchen bereit gemacht und schlief augenscheinlich. Als ich wendete (korrekt, versteht sich, bei der nächsten Abfahrt), kommentierte dies Teddy (ohne die Augen zu öffnen): "Very clever. Never drive backwards on a highway." Und dabei fuhr ich extra langsam und vorsichtig, damit er meinen dummen Fehler nicht bemerkte......

Als er dann nun in Wien am Ende der kleinen Tournee sein Abschlußkonzert nun wirklich "solo" geben mußte (im Porrhaus), da wartete er auf "seine" Band ("Where are the boys?") und war richtig sauer, als er nun wieder "solo" spielen mußte, denn die beiden Abende mit den oben erwähnten Wiener Jazzern hatten ihm einfach zu gut gefallen.

Er versprach baldigst wieder zu kommen, aber seine Manager (die wirklich "irre" Gagen verlangten) und seine fortschreitende Krankheit verhinderten eine Neuauflage eines der schönsten JAZZLAND-Konzerte.


© Axel Melhardt
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