Story des Monats

Juni - August 2002

Robert Pete Williams

Robert Pete Williams


Robert Pete Williams war ein von der Jazz- und Bluesgeschichte übersehener Gigant, ein schlichter Volksmusiker und -poet von unschätzbarer Aussagekraft, ein Musiker aus dem Unterbewußtsein, der sich immer darüber wunderte, daß man an ihm und seiner Musik etwas Besonderes fand, ein Künstler, der in einem Konzertsaal - bei einem Festival etwa - nie richtig zur Geltung kam, weil er immer längere Zeit einfach vor sich hin spielte, um überhaupt in die richtige Stimmung zu kommen - und kaum hatte er sein erstes Lied so richtig begonnen, da holten ihn die Veranstalter schon wieder vom Podium, denn der nächste Musiker wartete auf seinen Auftritt.

Im JAZZLAND da konnte er sich richtig entfalten. Da saß er mit seiner alten Gitarre vor einem sachverständigen Publikum, das ihm geduldig mucksmäuschenstill zuhörte, wie er sein Instrument stimmte und wie er zaghaft in die erste Bluesnummer einstieg, bis dann endlich in ihm die richtige Bluesstimmung aufkam, und er endlich loslegte.

Wie gesagt - ein Mensch, der aus dem Unterbewußtsein heraus Kunst produzierte. Nach seinem Konzert, das er durch seine Spielfreude zu einer Marathonveranstaltung ausufern ließ, saßen wir natürlich noch lange zusammen, und ich fragte ihn nach seinem Lieblingsessen.

"Beans", sagte er mit einem verklärten Lächeln. "Bohnen, there is nothing like beans....."

So etwas gab es damals natürlich noch nicht im 'landl. Ich lud ihn - zu lautstark, was sich als folgenschwer herausstellen sollte - zu mir nach Haus zu einem Bohnengulasch am nächsten Tag ein. Das hatten einige Fans mitbekommen, man lud sich zu mir ein. Ich kochte einen Riesentopf, wir hörten Platten, es war ein herrlicher Nachmittag. Tilly begann den Tisch zu decken - und Robert Pete wurde immer schweigsamer; ich bin sicher, wenn er dazu imstande gewesen wäre, er wäre blaß geworden.

Die Essensvorbereitungen schritten zügig voran, auf einmal verdrückte sich Robert Pete ins Nebenzimmer und winkte mich zu sich heran: "Ich can't eat with whites", drückte er herum, "ich kann nicht mit Weißen essen!"

Ich versuchte ihm klar zu machen, daß dies doch ein Wahnsinn sei, aber er schüttelte stur den Kopf und deutete auf einen kleinen Tisch im Nebenzimmer: "I eat here...."

So saßen wir acht oder zehn Weiße um einen großen Ausziehtisch, keiner konnte eigentlich auch nur einen Bissen hinunterwürgen; im Nebenzimmer genoß Robert Pete seine Bohnen und mit Tränen in den Augen versorgte ich ihn mit Nachschub. Er verdrückte einen großen Teller, einen zweiten und einen dritten. Er bemerkte gar nicht, daß wir alle hungrig aufstanden, jeder lobte verlegen mein Bohnengulasch, aber es hatte keinem geschmeckt.

In den nächsten Tagen sprach ich lange mit Robert Pete und als er ein Jahr später wieder nach Wien kam, da saß er dann endlich mit uns am Tisch und Bohnen Nummero Zwo schmeckten uns dann allen.


© Axel Melhardt
Story