Story des Monats

März 2004

EDDIE "LOCKJAW" DAVIS

Eddie "Lockjaw" Davis


Im Jahr 1974 da kannten wir (also Tilly und ich) nicht allzu viele der prominenten US-Jazzer persönlich. Den EDDIE "LOCKJAW" DAVIS zum Beispiel hatten wir ein- oder zweimal bei Wien-Konzerten kurz gesehen, aber von einem richtigen "Kennen" konnte man nicht reden.

Bei den großen Jazz-Festivals in Nizza in den Jahren 1974 bis 1978 - die nach wie vor die absoluten Höhepunkte in unserem Jazzer-Leben darstellen - tasteten wir uns vorsichtig an so manchen Prominenten heran - JOE VENUTI etwa, den ich wie viele andere Jazzliebhaber für den wesentlichsten Jazzgeiger überhaupt halte, war damals schon ziemlich senil und erklärte sich sofort bereit, sogar gratis im JAZZLAND zu spielen, wenn ich ihm dafür einen Auftritt mit den WIENER PHILHARMONIKERN in der berühmten Wiener Oper organisieren würde.

Aber die ersten wichtigen Kontakte wurden geschlossen, mit WILD BILL DAVISON, mit ART HODES und - sehr schüchtern - auch mit EDDIE "LOCKJAW" DAVIS, von dem ich wußte, daß mit ihm angeblich nicht besonders gut Kirschen essen sei.

EDDIE wirkte mürrisch, leicht abweisend und eher weitgehend desinteressiert, vor allem als ich ihm die Gagenmöglichkeiten in Wien erläuterte. In meinen Überredungsschwall fragte er mit vornehm gebremster Höflichkeit nach den Begleitmusikern, die ich ihm zugedacht hätte.

Und ich erwähnte eher schüchtern die PRINTERS JAZZBAND, die mit BEN WEBSTER als JAZZLAND-Auftakt im Jahre 1972 zwei große Abende hingelegt hatte, und die den großen Trompeter ROY ELDRIDGE im Jahre 1973 veranlaßt hatte, per Taxi sein Instrument aus dem Hotel zu holen, um anschließend bis gegen 5.00 Uhr früh mit ihnen zu jammen.

"Oh, that's perhaps the band, he is always talking about", ging plötzlich ein breites Grinsen über sein Gesicht. "Ah, das ist wahrscheinlich die Band, von der er ununterbrochen redet. Dann sieht die Sache schon wieder anders aus."

Und dann wurden wir uns sehr schnell einig - und eine lange, herrliche Zusammenarbeit mit EDDIE DAVIS, der sehr bald von den Wiener Musikern nur mehr "Ederl" genannt wurde und die bis zu seinem viel zu frühen Krebstod im Jahre 1986 andauern sollte, begann - immerhin: in zwölf Jahren gastierte er achtzehn volle Wochen im JAZZLAND, mehr als in jedem anderen Jazzclub auf der Welt.

ROY selbst kam dann später nochmals ins 'landl einsteigen, richtig engagieren konnten wir ihn nicht, denn zuerst verbot ihm der Arzt die Trompete, und als wir ihn schließlich "nur" als Sänger holen wollten, da kam auch noch ein weiteres ärztliches Nein dazu - der Flug sei zu gefährlich.

Aber ich bin sicher, wenn ROY jemals mit unseren Musikern ausführlich zusammengespielt hätte, er hätte es sehr genossen.

Und wir erst . . .


© Axel Melhardt
Story