Story des Monats

Jänner 2003

ED GARLAND

Ed Garland


Anfangs veranstalteten wir auch Konzerte - in Wien bei den Mieten für die Hallen und Säle ein selbstmörderisches Unternehmen, wie man ja weiß. Nur die absoluten Renner können die Häuser füllen und ich bin froh, daß ich mit zahlreichen Blauen Augen ausgestiegen bin.

Heutzutage würde ich die "LEGENDS OF JAZZ" im JAZZLAND produzieren. Das wäre zwar auch pleitig, aber billiger.

Damals ging ich ins Konzerthaus. Es war ein wirklich wunderschöner Abend, zu dem es - oh, welche Seltenheit - sogar eine Kritik gab. Ein Berufsjugendlicher, dessen Name besser verschwiegen bleibt, alterierte sich im "Kurier" über die Ausbeutung der alten Herren, die man "gnadenlos" von Konzertsaal zu Konzertsaal zerrt, um sie gewinnbringend zu vermarkten.

Wie hirnrissig dieser (nebenbei auch in musikalischer Hinsicht) ahnungslose Kommentar war, mag anhand des ältesten Bandmitgliedes, des Bassisten ED "MONTUDI" GARLAND, der immerhin schon bei der allerersten Aufnahme von schwarzen Jazzmusikern im Jahre 1921 (!!!) in KID ORY'S SUNSHINE ORCHESTRA mit dabei war, illustriert werden.

Freundlich lächelnd traf der bei weitem schon über 90-jährige Greis in Wien ein, begab sich in sein Zimmer, legte sich ins Bett und verbrachte den ganzen Tag in der Embryo-Stellung zusammengekauert unter der Decke. Erst gegen Abend, wenn Bandleader BARRY MARTYN ihn aus den Federn holte und ihm klar machte, daß er jetzt musizieren dürfe, kam wieder Leben in ihn. Er freute sich wie Julius, packte selbst seinen Bass zusammen und war aufgeregt wie ein Kind vor Weihnachten. Er durfte endlich wieder spielen. Der ganze langweilige Tag war vorbei - es gab wieder Musik.

Und er zupfte an den Saiten, drehte das Instrument um die eigene Achse und legte eine gekonnte Show hin, die Fans und Zuhörer begeisterte.

So - bitte - möchte ich gerne im Hohen Alter auch ausgenützt werden.


© Axel Melhardt
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