Axel Melhardt

Axel Melhardt wurde am 14.5.1943 als Sohn des Prager Schauspielers Edgar Melhardt, der jahrelang als Ensemble-Mitglied am Wiener Volkstheater engagiert war, und der in den 20-er und 30-er Jahren in Deutschland tätigen Sängerin und Schauspielerin Ilse Melhardt, geb. Glatz, (Bühnenname: Ilse Glarys) in Wien geboren.

Nach der überaus erfolgreichen Absolvierung der Volksschule geriet die schulische Ausbildung schon in der Untermittelschule leicht ins Stocken, als der junge Mann mit Jazz (durch Besuch des Filmes "Benny Goodman-Story") und mit der damals noch verpönten und im deutschen Sprachraum noch kaum bekannten Science Fiction Literatur in Berührung kam. Nach einem kurzen Internatsaufenthalt in der Schweiz und dem Besuch der Maturaschule Dr. Roland legte er leicht verspätet - aber doch - die Matura ab, um sich in den folgenden Jahren mit wenig Einsatz in verschiedenen Studienrichtungen zu versuchen - Astronomie, Mathematik, Anglistik, Publizistik, Germanistik und Ethnologie wurden aber zumindest ansatzweise durchforscht.

Axel Melhardt 1973 Die wahren Interessen blieben aber bei der Literatur - viele Übersetzungen ausgezeichneter Autoren aus dem Amerikanischen und einige bei seriösen Verlagen herausgebrachte SF-Kurzgeschichten, sowie die jahrelange Herausgabe eines literarischen Amateur-Magazins, welches im deutschen Sprachraum einige Anerkennung erhielt, aber auch zahlreiche Veröffentlichungen in wenig bemerkenswerten Romanheftchen, die aber finanziell den Grundstock legten, aus dem später einmal die ersten langen Durststrecken bei der Eröffnung des JAZZLAND überwunden werden konnten - und vor allen Dingen bei der Musik, wo er als akribischer Plattensammler und die aufregende Jazzgeschichte Durchforschender den Grundstein für diejenigen umfangreichen Kenntnisse legte, die es ihm später ermöglichen sollten, treffsichere und stets interessante Gastspiele der Jazzgrößen zu organisieren.

Aber auch als reger "Adabei" in der Wiener Jazzszene, als "Master Of Ceremonies", Organisator und Veranstalter, verstand er es diejenigen Lücken auszufüllen, die durch die rein künstlerische Orientierung der meisten Musiker entstehen.

Im Frühjahr 1972 wurde in einem finanziell angeschlagenen Stadtheurigen am Franz Josefs Kai (Weinfaßl) ein Jazzabend durchgeführt, der das krisengeschüttelte Lokal nach Jahren endlich wieder einmal bis zur Grenze des Fassungsvermögens füllte. Der an und für sich an der Musik desinteressierte Gastronom Franz Kausal ergriff den Strohhalm, und der "Jazzring Austria" mit dem Vorstandsmitglied Axel Melhardt begann in dem nun JAZZLAND genannten Keller regelmäßig Konzerte zu veranstalten.

Nach den in einem Verein leider schier unvermeidbaren Streitereien übernahm Axel Melhardt im September 1972 die alleinige musikalische Verantwortung, die er nun seit über 44 Jahren sehr erfolgreich trägt, seit 1983 leitet er den zum Traditionslokal gewordenen Keller auch in gastronomischer Hinsicht.

Tilly Melhardt-Ralph Sutton-Axel Melhardt Seit dem Oktober 1972 untrennbar an seiner Seite steht seine am 23.1.1945 in Oberweis bei Gmunden zur Welt gekommene Ehefrau Tilly Melhardt, geborene Stelzhammer, die sogar ihr erfolgversprechendes Ethnologiestudium abbrechen musste, um ihn mit voller Kraft bei der sehr schwierigen Tätigkeit als Leiter eines Jazzclubs zu unterstützen.

Von Anfang an entwickelte Axel Melhardt das damals absolut neuartige Konzept, internationale - meist amerikanische - Spitzenmusiker des Jazz nach Wien zu holen, um sie hier mit der heimischen Szene zu konfrontieren. Durch seine Pionierarbeit hat sich in den letzten Jahrzehnten die österreichische Jazzszene kontinuierlich zu einem Begriff in der internationalen Jazzwelt entwickelt, die den Gästen aus dem Ausland immer wieder höchste Anerkennung entlockt. Eine Auflistung all dieser internationalen Weltklassemusiker findet sich an anderer Stelle der Homepage.

Red Hot Pods im Parlament
Anläßlich einer Konferenz des Europarates lud Parlamentspräsident Dr.Heinz Fischer die Red Hot Pods zu einem Konzert ins "Hohe Haus" ein - eine echte Auszeichnung für den Jazz in Österreich.
Auf dem Photo v.l.n.r.: Peter Hofmann p, Claus Nemeth cl, Dr.Heinz Fischer, Erwin Frassine bjo, Axel Melhardt, Michael Libowitzky b, Harry Jirsa tb, Peter Gabis dm und Dieter Bietak co.

In diesen 44 Jahren gastierten so gut wie alle - die schmerzlichen Ausnahmen sind Joe Zawinul und Hans Koller - österreichischen Spitzenmusiker des klassischen Jazz im inzwischen von Publikum zum 'landl umbenannten JAZZLAND, aber auch eine ganze Reihe der jungen, innovativen Jazzer gingen durch die beinharte JAZZLAND-Schule, wo sie zeigen mussten, wie gut sie ihr Handwerk beherrschen.

So lange es seine Gesundheit zulässt möchte der passionierte "Liebhaber der mäßigen Steigungen" seine von der Kellerluft angeschlagene Kondition durch Bergsteigen in Gang halten - und natürlich weiterhin das JAZZLAND mit Engagement und Einsatzfreude weiterführen.

Seine Hoffnung, dass auch in Zukunft in Wien geswungen wird, trägt sein am 12.7.1984 geborener Sohn Julius, der auch als Pianist schon so manches Jazztune erstaunlich gut beherrscht. Dieser wird allerdings noch ein wenig warten müssen, denn anlässlich einer Verleihung eines Ehrenzeichens durch die Republik Österreich erzwang der die Laudatio haltende Professor des Konservatoriums Heinz Czadek dem gequält lächelnden JAZZLAND-Chef das Versprechen ab, das Lokal bis zum 50. Jubiläum weiter zu führen - das wäre also der 4. März 2022.

Nicht wenig stolz ist Axel Melhardt darauf, dass das JAZZLAND heute wahrscheinlich der älteste Jazzclub der Welt unter kontinuierlicher Leitung ist, und dass die internationale Jazzwelt sein Lokal als einen der führenden Jazzclubs der Welt akzeptiert.

Traurig stimmt ihn, dass speziell in den heimischen Medien der Jazz noch immer wenig beachtet wird - wo es im Ausland ausführliche Vor- und Nachschauen über einen internationalen Star gibt, herrscht bei uns leider fast noch immer die alte Mentalität, dass man den Jazz mit Rock oder Pop gleichsetzt, anstatt ihn neben der "Ernsten Musik" als gleichwertig wertvolle Musikform zu goutieren.